Die Tradition der Passionsspiele

Die Tradition der Passionsspiele in Rieden führt auf das Jahr 1923 zurück. Der Männergesangsverein initierte das Theater, weil er den Erweiterungsbau der Pfarrkirche in Rieden mitfinanzieren wollte. Gespielt wurde in der Pfarrkirche selbst, obwohl diese damals bereits eine Baustelle war. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde die Aufführung ein großer Erfolg. Die detaillierte Historie entnehmen Sie bitte dem weiteren Textverlauf.

Das letzte Abendmahl

Im Jahre 2011 werden die Passionsspiele zum 10. mal aufgeführt und nach den Erfolgen der zurückliegenden Spiele (1985 ca. 8.000 Besucher, 1995 ca. 12.000 Zuschauer, 2.000 ca. 10.000 Zuschauer, 2005 ca. 12.000 Zuschauer) hoffen wir, die Leidensgeschichte Jesu wiederum in einem anspruchsvollen Theaterspiel wiederzugeben.

Jesus spricht zu seinen Jüngern

Die Passion Christi ist allerdings mehr als nur eine Geschichte, die es gilt, in einem Theaterspiel aufzuführen. In Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen den Grundsätzen des Glaubens kritisch gegenüber stellen oder gar abwenden, ist es auch die Pflicht eines sich zum katholischen Glauben bekennenden Vereins und seinen Mitgliedern, an das Leben und die Auferstehung Jesus Christus´ zu erinnern. Durch Glaube und Hoffnung wird das Miteinander gestärkt, das soziale Gefüge rückt enger zusammen und bietet so auch den Schwachen einen starken Halt.
Alle Akteure und Akteurinnen des Riedener Passionspiels sind Laienschauspieler, Menschen aus der Pfarrgemeinde Rieden, die in ihrer Freizeit christlichen Glauben und persönliche Leidenschaft vereinen, um dieses einmalige und beispiellose Ereignis gemäß der Bibelüberlieferung den Zuschauern näher zu bringen. Nicht wenige Schauspieler werden im Laufe der Proben und der Aufführungen nachdenklicher, denken sich in das Spiel und ihre Rolle intensiv hinein und empfangen dabei auch neue Impulse für ihr eigenes religiöses Leben.

Wir hoffen, dass Sie eindrucksvolle Stunden erleben werden und die Passions-Spiele in der historischen Umgebung der Pfarrkirche in Rieden geniessen werden. Wir wünschen Ihnen, dass Sie aus der Passion positive aber auch einige kritische Gedanken mitnehmen werden, die für Sie Anstoß sein werden, sich intensiver als bisher mit Ihrem Glauben auseinanderzusetzen.



Die Passionsspiele in Rieden und ihre Geschichte

1923

Die Pfarrkirche in Rieden wird erweitert.

Zur Mitfinanzierung des Erweiterungsbaus ergreift der Männergesangverein Rieden die Initiative zur erstmaligen Aufführung der Leidensgeschichte Jesu als Laienschauspiel.

Unter erheblichen Schwierigkeiten - ein Fußboden war in der damaligen Baustelle noch nicht vorhanden - wurden die Passionsspiele zur Aufführung gebracht. Im heutigen Altarraum, dem Kinderschiff und der Taufkapelle von St. Hubertus wurden auf drei hintereinanderliegenden Bühnen die einzelnen Szenen gespielt.

Laut Überlieferung von damals Mitwirkenden wurden die Passionsspiele in Rieden ein großer Erfolg.

Petrus leugnet



1934

Die Wirkung des Publikumserfolgs und das Interesse am Laienspiel haben ihre Wirkung im Ort nicht verfehlt.

Im Jahre 1934 ergreift die Kolpingfamilie die Initiative und führt die Passionsspiele zum zweiten Mal auf.

Der Aufführungsort verlagerte sich aus der Pfarrkirche in den Saal Doll-Schlich. Wiederum war der Besucherzustrom sehr groß. Der Erlös floß auch diesmal einem gemeinnützigen Zweck zu.


1949

Nach einer längeren Pause, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, wurden die Passionsspiele erneut aufgeführt. In diesem Jahr war es der Pfarrer Vinzenz Seiwert, der den entscheidenden Anstoß gab, die Mysterienspiele um das Leiden und Sterben Jesus Christus wieder aufzuführen. Bei den Vorbereitungen stellte man jedoch schnell fest, daß der Krieg auch unter den Mitwirkenden der bis dahin stattgefundenen Passionsspiele große Lücken gerissen hatte. Viele hatten im Dienst fürs Vaterland ihr Leben in fremder Erde zurückgelassen.

Vielleicht aber gerade deshalb ging man mit unerschütterbarer Kraft und Energie an die Aufgabe heran und brachte sie mit großem Erfolg zur Bühne. Als äußeres Zeichen des Erfolgs wurde von dem erzielten Erlös in demselben Jahr der Kirchturm der St. Hubertus-Pfarrkirche gebaut.
An der Mitwirkung waren damals alle Ortsvereine beteiligt

Jesus vor Pontius Pilatus


1965

Seit den letzten Passionsspielen waren 16 Jahre ins Land gegangen. Warum diese lange Aufführungspause entstand, vermag heute niemand mehr zu sagen. Jedenfalls ergriff in diesem Jahr der Katholische Junggesellenverein die Initiative und führte die Spiele auf.

Aufführungsort war wiederum der Saal Doll-Schlich. Nachdem man mit Stolz und innerer Zufriedenheit nach der letzten Vorstellung zurückblickte, legte man sich fest, die Passionsspiele alle 10 Jahre wieder aufzuführen.


1975

Der Vorstand des Katholischen Junggesellenvereins hatte keinesfalls vergessen, was ihre Vorgänger ihnen 1965 ihnen aufgetragen hatten. Man nahm sich gern der Aufgabe an, die Tradition der Passionsspiele weiterzuführen.

Fast alle Mitwirkenden aus dem Jahr 1965 stellten sich wieder zur Verfügung, um die Mysterienspiele wiederum aufzuführen.

Elf Vorstellungen hatte man in der Fastenzeit eingeplant, drei zusätzliche wurden außerdem gespielt. Der Erlös einer dieser Vorstellungen floß der Aktion Sorgenkind zu.

Erstmals wurde auch im Regionalfernsehen und im Rundfunk von den Riedener Passionsspielen berichtet. Ein Moderator des Südwestfunks prägte erstmals den Begriff: "Rieden, das Oberammergau der Eifel".

Jesus am Ölberg



1985

In den zehn vergangenen Jahren sind die Gespräche über die Passionsspiele von 1975 nie ganz verstummt.
Bei den Verantwortlichen kamen jedoch zunächst Bedenken auf, ob in der doch sehr hektischen Zeit Passionsspiele noch eine Zielgruppe erfassen können. Nach reiflicher Überlegung kam man zu dem Entschluß, daß auch im Jahr 1985 wieder Passionsspiele in Rieden stattfinden sollten.

Bei den ersten Vorbereitungen Anfang 1984 stellte man fest, daß es viel zu tun gab, denn Requisiten aus den Jahren zuvor waren nicht mehr vorhanden oder in einem irreparablen Zustand. Man beschloß, neue Kostüme zu entwerfen, und diese wurden dann von ortsansässigen Schneiderinnen und Schneidern ehrenamtlich hergestellt.

Bei der Entscheidung über den Austragungsort bekam der Vorstand der Junggesellen vom Ortspfarrer Pater Damian Unterstützung, der zusammen mit dem Kirchenvorstand die Aufführung in der neu renovierten Pfarrkirche gestattete. Somit war man mit den Passionsspielen nach über 60 Jahren wieder an den Ort ihres Ursprungs zurückgekehrt.

Eine neue Bühne wurde gebaut, die Kulissenbilder neu entworfen.

In der Fastenzeit 1985 waren dann zehn Vorstellungen geplant. Doch auch in diesem Jahr wurden sieben weitere Vorstellungen gegeben.

Als am Ostermontag die Passionsspiele mit Glockengeläut zu Ende gingen, hatte circa 8000 Besucher die 17 Vorstellungen besucht.

Seit dem 15. April 1989 wird nun durch ein Gedenkstein stets an die Tradition der Passionsspiele erinnert. Dieser wurde von der Spielgemeinschaft von 1985 und dem Veranstalter, dem Katholischen Junggesellenverein, errichtet.

Mehr denn je wurde die gesamte Bevölkerung der Gemeinde in die Durchführung der Passionsspiele mit einbezogen.

Dies war mit ein Grund dafür, im Juli 1993 die "Laienspielgruppe des Katholischen Junggesellenvereins Rieden e.V." zu gründen. Dieser neue Verein ist von nun an für die Passionsspiele aber auch für das alljährliche Laientheater in Rieden verantwortlich.

Jesus verabschiedet sich von Maria, seiner Mutter



1995

Ebenfalls im Sommer 1993 begannen die Vorbereitungen für die siebten Riedener Passionsspiele 1995. Man griff auf die bewährte Bühne von 1985 zurück. Auch Kulissen und Requisiten waren nahezu schadlos aufbewahrt worden. Ebenfalls waren die Darsteller von 1985 nahezu alle noch in der Lage mitzuwirken, so daß in der Darstellung nur kleinere Änderungen vorgenommen wurden. Der Hauptaugenmerk lag somit darin, die Passionsspiele und den Ort Rieden einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Fastenzeit hatte sich für die Aufführungen der Leidensgeschichte Jesu mehr als bewährt. In diesem Jahr wurde die Zahl der Vorstellungen auf zwanzig erhöht, wobei es aber nicht blieb. Wiederum war die Nachfrage für weitere acht Vorstellungen gegeben. Am 30. April 1995 - bis dahin wurden nahezu 12.000 Besucher gezählt - endeten die Passionsspiele 1995, wiederum mit festlichem Geläut.

In Funk, Fernsehen und Presse fanden die Passionsspiele große Beachtung. In mehreren Beiträgen wurde zum Teil bundesweit über die Aufführungen berichtet.

Teile des Erlöses wurden der Kirchengemeinde und der Ortsgemeinde für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt. Mit einem weiteren Anteil wurde die Restaurierung des Kriegerehrenmals auf dem Riedener Friedhof unterstützt.

Seit dem Jahr 1995 besucht eine Abordnung der Riedener Laienspielgruppe regelmäßig die Treffen der "EUROPASSION". Dies ist eine Vereinigung zahlreicher Orte aus ganz Europa, die in häufig ganz unterschiedlicher Weise das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi künstlerisch darstellen. Hier reifte 1998 die Idee, aus Anlaß des "Heiligen Jahres" die Passionsspiele außerhalb des geplanten Turnus im Jahr 2000 aufzuführen.

Kreuzigung



2000

Traditionsgemäß war wiederum die Fastenzeit die Kernzeit der Riedener Passionsspiele. Einige Ideen - wie zum Beispiel neue Bühnenbilder - konnten in der relativ kurzen Phase der Vorbereitung nicht verwirklicht werden. So blieben die Verantwortlichen dem alten und bewährten Konzept treu.

Besondere Wertschätzung erfuhren die Passionsspiele durch Funk und Fernsehen. Im SWR und WDR wurden jeweils 30minütige Dokumentationen gesendet.

Für diese Aufführungen im Heiligen Jahr 2000 hatte man bereits bei den Vorbereitungen die Möglichkeit der Zusatzvorstellungen außer Acht gelassen. Zwanzig Vorstellungen standen am letzten Spieltag - Ostersonntag - zu Buche.



Jesus hilft dem Häscher



2004

Am 22. April 2004 wurde der Laienspielgruppe des Katholischen Junggesellenvereins hohe Ehren zuteil. Der Landkreis Mayen-Koblenz verlieh für das Engagement um die Passionsspiele den Kulturförderpreis des Jahres 2004 an die Riedener Theatergruppe.

Die Kreuzabnahme



2005

Seit Ende 2003 liefen die Vorbereitungen für die 9. Passionsspiele in Rieden. Die Ideen von 2000 wurden nun in die Tat umgesetzt. Eine neue Konzeption der Darstellung der Passion hat die Riedener Passionsspiele in ein neues Licht gerückt.

Am Samstag, 12. Februar 2005 war Premiere. Und am Sonntag, 3. April konnte man auf die stattliche Anzahl von 24 Spieltagen zurückblicken. Wir können mit Stolz behaupten, dass wir in der Spielzeit 2005 ein neues erfolgreiches Kapitel in der Geschichte der Riedener Passion geschrieben haben.

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2009

Im Herbst 2009 wurden die ersten Vorbereitungen für die 10. Passionsspiele für das Jahr 2011 eingeleitet. Der Vorstand der Laienspielgruppe konnte auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückgreifen und ging mit großem Engangement die Herausforderung an. Gremien für die einzelnen Bereiche wie Rollenbesetzung, Kostüme, Requisiten, Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit wurden gebildet und nahmen ihre Arbeit auf.

2010

Die Laienspielgruppe stellt am 7. März im Rahmen einer Vereinsversammlung der Öffentlichkeit die Rollenbesetzung vor.